Im Laufe des Jahres 1999 stellten unterschiedliche Institutionen fest, dass immer mehr Kinder und Jugendliche im Stadtgebiet zu Gewalttaten sowohl in der Schule, als auch außerhalb der Schule bereit sind.
Auf der Suche nach Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzutreten, fand auf Initiative des Kriminalpräventiven Rates der Stadt Schleswig im November 1999 ein Informationsgespräch über das Präventionsprojekt "Plan haben" aus Norderstedt statt. Zu dieser Veranstaltung waren neben Vertretern des Jugendamtes des Kreises Schleswig-Flensburg, der Polizeizentralstation Schleswig, alle Leiterinnen und Leiter der im Stadtgebiet befindlichen Schulen eingeladen sowie der Kinderschutzbund, die Arbeiterwohlfahrt und die Jugendstiftung Winkler.
Die Norderstedter Initiative hatte sich ein kriminalpräventives Projekt der Stadt London zum Vorbild genommen. Die Grundidee ist, Kindern und Jugendlichen, die kriminelle Tendenzen aufzeigen und deren Lebenssituation von einer Vielzahl von Problemen bestimmt ist, 1 Jahr von einer Patin bzw. einem Paten begleiten zu lassen.
Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, die sich abzeichnende sogenannte negative Karriere zu stoppen. In London hat dieses Projekt zu einem Rückgang der Jugendkriminalität um 90 % geführt. Auch in Norderstedt sind die betreuten Kinder und Jugendlichen nicht wieder aufgefallen.
Die Teilnehmer des Informationsgespräches waren übereinstimmend der Auffassung, dass es in Schleswig doch eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen gibt, die keinen Ansprechpartner haben und daher die Hilfe bzw. Unterstützung durch eine Patin oder einen Paten benötigen.
Seit Sommer 2000 läuft das Projekt Plan haben in Schleswig. Es werden jährlich 4 - 6 Patenschaften begonnen.
Die Familie als Erziehungsinstanz tritt neben anderen gesellschaftlichen Einflüssen zunehmend in den Hintergrund.
Viele Familien können ihrem Erziehungsauftrag nicht immer nachkommen, weil sie in anderen Lebensbereichen zu stark belastet und eingebunden sind. Die Familie ist heute keine lebenslange Gemeinschaft mehr. Kinder und Jugendliche müssen sich mit geänderten Partnerschaften der Erziehungsberechtigten auseinandersetzen. Oft werden sie damit allein gelassen.
Schülerinnen und Schüler, die den Leistungsanforderungen nicht entsprechen können oder wollen, erleben Schule als einen Ort ständigen, individuellen Versagens. Zum Ausgleich suchen sie oft Anerkennung und Halt in Cliquen, die ihnen eigentlich schaden.
Der Einstieg in das Berufs- und Erwachsenenleben gestaltet sich für alle Jugendlichen zunehmend schwierig. Sowohl die Berufsbilder als auch die Anforderungen sind einem ständigen Wandel unterworfen, dem nur die Besten genügen können.
Auf der anderen Seite wird über Medien und Politik das Bild des selbstbestimmten Individuums vermittelt, frei nach dem Motto "Es ist alles möglich, man muss nur wollen". Soziale Kontrolle und damit verbundene Vermittlung von Werten und Normen wird weitestgehend der Schule oder der Polizei überlassen.
Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich nicht verantwortlich. Das führt dazu, dass Kinder und Jugendliche, die sich in der Öffentlichkeit abweichend verhalten, davon ausgehen, dass ihr Verhalten akzeptiert wird.
Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung
In Schleswig stellen mehrere Institutionen (Polizei, Schule, Jugendamt, etc.) bei vielen Kindern und Jugendlichen unterschiedlichste Entwicklungen fest.
Diese reichen von Auffälligkeiten in der Schule (Leistungsschwäche, -verweigerung, Schwänzen o.ä.) über Perspektivlosigkeit und mangelnde Fantasie ihre Freizeit zu gestalten.
Vielfach fällt es ihnen schwer, sich an gängige gesellschaftliche Normen zu halten. Jugendliche brauchen außerhalb der Familie einen Freund, einen Vertrauten, einen Berater und ein Vorbild. Sie benötigen einen Ansprechpartner, mit dem sich persönliche Ziele vertrauensvoll erarbeiten lassen. |