Interview Claus Kerwien

Patenberichte & Interviews vom

Der Anfang

Claus Kerwien - »Plan haben« Pate in SchleswigNico Pirkistin

Wie sind Sie zu »Plan haben« gekommen?
Ich hatte beruflich schon immer viel mit jungen Menschen zu tun. Kurz bevor ich in Rente ging, hatte ich ein Vorstellungsgespräch mit einem 16-jährigen Jungen, der aber überhaupt nicht den Mund aufbekam, sondern nur schweigsam dasaß.

Was war der Anreiz (Motivation) für Sie bei »Plan haben« mitzumachen?
Meine Generation muss sich erneuern, aufgeschlossen sein und dazulernen. Ich möchte Verständnis entwickeln für junge Menschen und mich mit deren Lebenswelt auseinandersetzen, sie in ihrer Entscheidungsfindung und dem Weg ins Leben unterstützen.

Die Patenschaft

Wie verlief ihre Patenschaft?
Ich habe mittlerweile schon die dritte Patenschaft.
Die erste Patenschaft hatte ich für einen 17-jährigen jungen Mann, der zeitweise auf der Straße lebte. Inzwischen hat er einen guten Weg gefunden und macht seinen Schulabschluss nach.
Das zweite Patenkind war ein damals 12-jähriger Junge. Zu Beginn haben wir Spaziergänge in seinem Wohnort gemacht, er hat mir seine Schule und den Sportverein gezeigt. Wir haben uns wöchentlich getroffen, die Verabredungen hat er zuverlässig eingehalten. Ich habe ihn immer abgeholt und mit ihm verschiedene Dinge unternommen, so waren wir auch mal im Zirkus Krone in Husum. Ganz wichtig war für ihn der Wing Tsun- Kurs bei André Sonntag, den Plan haben ihm ermöglicht hat um Selbstbehauptung zu lernen. Er war immer sehr gern dort und  hat auch ganz stolz ein Abzeichen gemacht. Im Rahmen unserer Treffen habe ich ihn immer zum Training gebracht und von dort auch wieder nach Hause, anders wäre die Teilnahme nicht möglich gewesen.
Im Laufe der Zeit haben wir uns über alles Mögliche unterhalten, was ihn beschäftigte, wie z. B.  über die Schule, seinen Kochkurs, Mädchen, seine Familie und die Krankheit seiner Mutter. Manchmal hat er sehr übertrieben oder auch gelogen. Ich bin dem nachgegangen und wir konnten klären, dass solche Übertreibungen und Lügen nicht in Ordnung sind. Dazu war auch ein Gespräch mit den Eltern erforderlich. Es wurde mit der Zeit besser. Leider zog der Junge dann weg.

Wie lange dauerte diese zweite Patenschaft?
Sie dauerte durch den Wegzug leider nur anderthalb Jahre.

Haben Sie heute noch Kontakt zu ihm?
Ja, per WhatsApp schreiben wir noch.

Konnte Ihr Patenkind auch Ihnen etwas mit auf den Weg geben?
Man hat als älterer Mensch ja oft Vorurteile gegenüber den Jugendlichen. Da ist es dann gut, wenn man Jugendliche selbst näher kennenlernt. Erstaunt hat mich, wie intensiv sich der Junge mit Themen auseinandersetzen kann, die ihn interessieren. Ich habe viel technisches Verständnis von ihm gelernt. Wir haben gemeinsam etwas erreicht, das ist schon ein tolles Gefühl.

Die Patentreffen/ -gespräche

Haben Ihnen die Patengespräche bei Plan haben geholfen?
Ja, gerade auch weil Pädagogen in der Lenkungsgruppe sind, die mich in meinem Handeln bestätigt haben. Bei den regelmäßigen Treffen habe ich auch von anderen Paten gelernt, weil ich gesehen habe, wie sie mit bestimmten Situationen umgehen. Die Unterstützung ist hervorragend. Man ist nicht allein gelassen.

Was würden Sie sich wünschen?
Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen oft von den Behörden allein gelassen werden. Da würde ich mir deutlich mehr Unterstützung und Verständnis wünschen. In diesem Bereich habe ich in allen drei Patenschaften weiterhelfen müssen.

Nach der Patenschaft

Möchten Sie eine weitere Patenschaft?
Ja, ich habe bereits seit ein paar Wochen ein drittes Patenkind, einen 14-Jährigen mit Migrations-hintergrund. Zuerst hatte er Probleme mit der Pünktlichkeit, aber inzwischen kann er sich an die verabredeten Zeiten halten.
Wie sieht ein kurzes persönliches Resümee der Patenschaft für Sie aus?
Es ist ein tolles Gefühl zu beobachten, wie die jungen Menschen durch die Hilfestellung lernen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Jugendliche brauchen Menschen, die an sie glauben. Und auch ich habe viel von den jungen Menschen gelernt.

Interview mit Reinhard Hübner, Juli 2017

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»Plan haben«

»Plan haben« ist ein Projekt für Kinder und Jugendliche in Schleswig.

Paten / Patenschaft

Dreh- und Angelpunkt des Projektes »Plan haben« sind die Paten.

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